Hier entsteht eine Sammlung von Persönlichkeitsprofilen. Es ist eine Erinnerung an die Personen, welche die Geschichte der Spalenvorstadt und des Spalenquartiers mitgestalten. 

 

Die Namen sind alphabetisch (nach dem Nachnamen) sortiert.

 

Hans Bögli – Erforscher des römischen Aventicum (Avenches)   

In den meisten Fällen weiss man nicht, wem man in der Spale begegnet. Das gilt auch von jenem Herrn mit dem schlohweissen Haar, der regelmässig in unserer Vorstadt unterwegs ist. Er heisst Hans Bögli und folgendes steht über ihn im biografischen Beitrag der kiloschweren Festschrift, die ihm zum 65. Geburtstag von seinen ehemaligen, längst arrivierten Studenten gewidmet wurde: „Auch die Universität Lausanne sicherte sich seine Mitarbeit: Im Jahr 1964 wurde er mit einem Lehrauftrag für das Fach Archéologie gallo-romaine betraut, den er bis 1978 versah. Im Wintersemester 1973/74 las er zudem an der Universität Bern. Eine ganze Generation von Archäologen, Historikern und Numismatikern [Fachleute für Münzen und Medallien], die heute im Kanton Waadt und anderswo in Amt und Würden sind, gehört zu seinen Schülern.

In den meisten Fällen weiss man nicht, wem man in der Spale begegnet. Das gilt auch von jenem Herrn mit dem schlohweissen Haar, der regelmässig in unserer Vorstadt unterwegs ist. Er heisst Hans Bögli und folgendes steht über ihn im biografischen Beitrag der kiloschweren Festschrift, die ihm zum 65. Geburtstag von seinen ehemaligen, längst arrivierten Studenten gewidmet wurde: „Auch die Universität Lausanne sicherte sich seine Mitarbeit: Im Jahr 1964 wurde er mit einem Lehrauftrag für das Fach Archéologie gallo-romaine betraut, den er bis 1978 versah. Im Wintersemester 1973/74 las er zudem an der Universität Bern. Eine ganze Generation von Archäologen, Historikern und Numismatikern [Fachleute für Münzen und Medallien], die heute im Kanton Waadt und anderswo in Amt und Würden sind, gehört zu seinen Schülern.

Hans Bögli wurde 1930 in  Burgdorf geboren.  Sein Vater hatte das Amt des Polizeiinspektors inne. Seine Mutter, die in Argentinien zur Welt gekommen war, verbrachte ihre Jugendzeit in Adelboden, Bern und Burgdorf, wo sie eine kaufmännische Lehre absolvierte. Im Gymnasium zeichnete sich der junge Bögli durch grosse Sprachbegabung aus. Sein musikalisches Talent wurde durch eine bekannte Klavierpädagogin gefördert. Erste 'militärische' Erfahrungen machte er ab 1945 im damals noch obligatorischen Burgdorfer Kadettenkorps. Sein kulturelles Interesse manifestierte sich schon früh: er pflegte den Kontakt mit Bruno Hesse, dem Sohn des Schriftstellers, der ihn porträtierte, und mit dessen Nachbarn, dem Maler Cuno Amiet auf der Oschwand, oberhalb von Riedtwil.

Als einem der Besten in der Klasse fiel Hans die Aufgabe zu, an der Maturfeier (1949) eine Rede zu halten; er wählte das Thema 'Aventicum'. Was ihn dazu bewog, war die während des Lateinunterrichts erwachte Begeisterung für die Römer und eine Freilichtaufführung im römischen Theater von Avenches mit der Musik von Arthur Honegger und dem
Orchestre de la Suisse Romande unter der Leitung von Ernest Ansermet. Für das Bühnenbild, die Masken und Kostüme zeichnete Hans Erni verantwortlich. Damals ahnte wohl niemand, dass die Archäologie zu Böglis Beruf und Avenches zu einer zweiten Heimat werden würde.

Nach dem Studium an den Universitäten Genf, Bern und Basel, wo er die Vorlesungen und Übungen der in den 50er-Jahren berühmtesten Professoren besuchte, legte er 1956 seine Dissertation 'Studien zu den Koloniegründungen Caesars' vor. Ein Jahr später erwarb er sich in Bern das Gymnasiallehrerpatent in Klassischer Philologie. Schon 1957/58 war Hans Bögli als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den archäologischen Grabungen in Neuss (Novaesium) Westfalen tätig, einem Militärlager an der römischen Befestigungslinie des Rheins
. Die Lehr- und Wanderjahre schloss Hans Bögli durch  die Heirat  mit  Annemarie  Hoffmann 1959  ab.

Er hatte sie, die Sekretärin im Kunstmuseum, in Basel kennengelernt. Sie blieben fünf Jahre in der Stadt am Rheinknie. 1960 kam die Tochter Christine zur Welt.

Die ersten archäologischen Herausforderungen erwuchsen ihm im Zusammenhang mit dem Bau der Schweizerischen Nationalstrassen, als 1960 die 'Archäologische Zentralstelle für den Nationalstrassenbau' ins Leben gerufen wurde. Ihr Büro befand sich an der Martinsgasse. Lausanne-Vidy, Augusta Raurica und Rheinfelden-Görbelhof waren von Hans Bögli betreute Fundplätze. Seine Lebensaufgabe aber fand er in Aventicum (Avenches), wo er 1964 den vom Kanton Waadt soeben eingerichteten Posten des
Conservateur du Musée romain d’Avenches antrat. Im Verlauf der Jahre wurde die Institution ein Unternehmen mit zeitweilig über 30 Mitarbeitern. Das Fachpublikum wurde durch die Hefte des Bulletin de l’Association Pro Aventico, deren Redaktion Hans Bögli besorgte, durch Kurzberichte über die Grabungstätigkeit informiert. Zahllos waren Böglis begeisternde Führungen im In- und Ausland. Seine Kommunikationspolitik gegenüber Presse, Funk und Fernsehen wurde sehr geschätzt. Apropos Politik: Hans Bögli stellte sich viele Jahre in den Dienst der Waadtländer Kantonspolitik.

Wichtig war damals die militärische Laufbahn eines Schweizers. Infanterie-Rekrutenschule in Luzern, Aspirantenschule in Lausanne, Beförderung zum Major am 1.1.1976 waren die Stationen von Böglis Karriere.

Die alte Liebe zum Theaterspiel erwachte in Avenches erneut. Mit der Wiederbelebung (1976) der 1955 gegründeten
Association des Arènes d’Avenches wurden dank Hans Bögli die Voraussetzungen für eine neue Serie von Theateraufführungen an diesem geschichtsträchtigen Ort geschaffen. 1995 sind Annemarie und Hans Bögli ins Spalenquartier zurückgekehrt, weil sie sich hier wohlfühlen. Die beiden nennen 'd Spale' sogar liebevoll 'unser Dorf'! (bt.)       

Auszug aus der SpaleZytig Ausgabe 6/ Dezember 2008

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Max Brühl-Frei — 93 Jahre begeisterter Spalemer       

Er ist der Doyen der Spalenvorstadt. Was er zu erzählen weiss an privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Erlebnissen, würde eine ganze Ausgabe der Spale-Zytig füllen und noch mehr.

Wenn Max Brühl zum Schlafzimmerfenster hinausschaut, das auf die Hinterhöfe der Liegenschaften an der Vorstadt und am Schützengraben geht, sieht er auf einen aus Zinkblech getriebenen Widderkopf, der einen Kännelkasten krönt. Diese Tatsache wäre nicht erwähnenswert, wäre Max Brühl nicht im Sternzeichen des Widders geboren und wäre nicht dieses Beispiel der zur Zeit seiner Geburt in Mode stehenden
'Ornamentik' ein Erinnerungsstück aus der Spengler- und Installateurwerkstatt seines Grossvaters August-Brühl-Altermatt (1854-1914).

August Brühl hatte 1886 das Geschäft gegründet. Vier Jahre lang befand sich die Werkstatt im Hinterhof des Hauses 'Zum Knopf', Spalenvorstadt 32. 1890 tat er gewissermassen den Knopf auf und kaufte die Liegenschaft vis-à-vis, das Haus 'Zem wyssen Rösslin', Spalenvorstadt 37, das bis 1460, dem Gründungsjahr unserer Universität, 'Zem kleinen schwarzen Vogell' – womit vermutlich eine Amsel gemeint war – geheissen hatte. Das Haus war, wie im Lauf der Jahrhunderte so manches Haus in der Spalenvorstadt, eine Trinkstube, eine Wirtschaft. Zuerst galt es umzubauen, die Liegenschaft für die eigenen Zwecke einzurichten. In diesem Haus ist Max Brühl am 18. April 1914 zur Welt gekommen.

1920 erlebte Max Brühl seinen ersten Schultag im Spalenschulhaus. Seinem während der Primmeli stets als Primus glänzenden Bruder Guschti – er wurde später Arzt – war dieses fröhliche Erlebnis bereits zwei Jahre zuvor beschert. Mit Vergnügen erinnert sich Max Brühl an einen regelmässig wiederkehrenden ehrenvollen Sonderauftrag seines Primarschullehrers: Er durfte in der Stadt Meerröhrli einkaufen gehen. Bei dieser Gelegenheit lernte der Maxli nicht nur die Stadt kennen, auch seine körperliche Beweglichkeit wurde gefördert,  denn  er  musste  den Auftrag im Duurläufli erledigen. Übrigens: Nach Jahresfrist waren die Meerröhrli verbraucht! Daneben gab es eine weitere Gelegenheit, die Stadt kennen zu lernen: Der kleine Max musste die Rechnungen fürs Geschäft austragen. Schliesslich waren Buben dafür billiger als eine 10-Rappen-Marke pro Brief!

In diesen Zusammenhang gehört auch jenes Erlebnis, das ziemlich bös ausgegangen ist. Im Geschäft wurde ein neuer Leiterwagen angeschafft. Als wieder einmal rund 200 Rechnungen zu verteilen waren, holten Max, ein Kamerädlein und zwei etwas ältere Spezis das Gefährt. Max wurde hineingesetzt. Flott ging die Fahrt den Spalengraben hinab. Und weil es so lustig war, kam die Idee auf, sie zu verlängern, den Petersgraben hinunter. Aber beim Seidenhof wollte der Leiterwagen einen anderen Weg nehmen. Als es bränzlig wurde, sprangen die beiden älteren Buben ab und machten sich aus dem Staub. Die beiden jüngeren landeten am Rheinbord, samt Schachtel mit den Rechnungen und der havarierten Deichsel. Das herbeigeeilte Dienstmädchen hatte das Vergnügen, den Leiterwagen mit dem ebenfalls havarierten Maxli und seinem Kamerädlein den Petersgraben hochzuziehen und in der Spale dem hocherfreuten Vater abzuliefern...

Nach der Grenzbesetzung 1914/18 machten 123 (!) Kinder das Revier zwischen Spalenvorstadt, Schützenmattstrasse und Spalengraben unsicher. Das Vesalgässlein, das damals breiter war und wo Sandkisten standen, denen im Winter Streusand für den vereisten Spalengraben entnommen werden konnte, war der Ort, wo die Kinder schutte, gluggere oder Schlagball spielen konnten.
'Gereifelt' wurde rund um den Petersplatz, und zwar mit echten Rädern, die die Mutigen unter den Buben ausliehen, indem sie die Splinten an den Wagendeichseln herauszogen. (bt.)     

                    

Max Brühl-Frei — 93 Jahre begeisterter Spalemer (Fortsetzung)
 

Max Brühl war schon ausgelernter Spengler/Installateur, als er 1932 Gritli Frei, seine spätere Frau,an einem Tanzabend kennenlernte. Fräulein Frei arbeitete in der Falknerstrasse als Schneiderin und stand kurz vor der Abschlussprüfung. Für ein ganzes Jahr entschwand es für Max nach Paris, wo es als Volontärin für Nina Ricci arbeitete – ohne einen Rappen zu verdienen!

1934/35 war Max zwei Semester in Karlsruhe am Technikum, um das Meisterdiplom für Spenglerei, Sanitär und Heizung mit 21 deutschen und 8 Schweizer Kollegen vorzubereiten. Schliesslich hatte er es für alle drei Berufe in der Tasche, mit den Noten 'sehr gut' und 'gut'! Allerdings musste er die Prüfungen 1937 in Basel wiederholen, weil die Schweizer die deutsche Meisterprüfung nicht anerkannten. So kam es, dass Max Brühl letztlich 5 Meisterdiplome in der Hand hatte, 3 aus Deutschland und 2 aus der Schweiz.

Erst 1938 erlaubten die Väter, die im gleichen Turnverein und miteinander befreundet waren, die Verlobung und auf den 14. September 1939 die Heirat. Doch daraus wurde nichts, weil am 1. September der Zweite Weltkrieg ausbrach. Der Bräutigam in spe musste zum Schanzen auf die Farnsburg und erhielt in den ersten Monaten keinen Urlaub. Da liess sich der Hauptmann erweichen und bewilligte ihm einen dreitägigen Urlaub, vom 13. bis zum 15. Dezember. Jetzt wurden die Einladungskarten zur Hochzeit in aller Eile verschickt und am 14. gaben sich Max Brühl und Gritli Frei im St. Jakobskirchlein das Ja-Wort.

Am Sonntag kam Gritli hin und wieder ihren Max im Aktivdienst besuchen. In einer strapaziösen Velotour radelte sie jeweils zur Farnsburg. Laut militärischem Befehl waren nämlich die Ehefrauen, die ihre Männer mit der Eisenbahn besuchen wollten, am Bahnhof Gelterkinden abzufangen und mit dem nächsten Zug heimzuschicken.

Seit 1938 war die junge Frau Brühl im Büro des Spenglerei- und Installationsbetriebs tätig, wo sie die Mutter von Max ablöste. Am 1. Januar 1944, noch während des Krieges, hat Max das Geschäft von seinem Vater übernommen, das er 30 Jahre lang erfolgreich weiterführte.

Max Brühl besitzt eine aussergewöhnliche Vitalität. Dass sie ihm schon immer zur Verfügung gestanden hat, mag die Erwähnung jener Basler Institutionen dokumentieren, denen er sich – jahrzehntelang als aktives Mitglied – verbunden fühlt: Turnverein Amicitia, Basler Männerchor, E.E. Zunft zu Safran, Philanthropische Union, Andresen-Bruderschaft und, nicht zuletzt, der Vorstadtgesellschaft zur Krähe.

Als etwa Zehnjähriger kam der kleine Max erstmals ins Spalentor, wo sein Vater Spenglerarbeiten auszuführen hatte. Der Turm befand sich in desolatem Zustand: bröckelndes Mauerwerk, Staub und dichte Spinnenweben, wohin man sah. In den 30er-Jahren hatten Studenten darin ihr Quartier und nach ihnen Pfadfinderinnen. Als Max Brühl Ende der 50er-Jahre im Auftrag der Liegenschaftsverwaltung das Blechdach auf dem nördlichen Rundturm, das der Sturm weggerissen hatte, aus Kupferblech erneuerte, fand er, das Spalentor sei doch der richtige Ort für die Vorstadtgesellschaft zur Krähe. Er unterbreitete dem damaligen Denkmalpfleger Fritz Lauber seine Renovationspläne und kam gut damit an. Die Renovationskosten wurden teils vom Staat und teils von der 'Krähe' bezahlt. Die entstandene wohnliche Turmstube wurde 1964 festlich eingeweiht und wird seither von den Mitgliedern der Vorstadtgesellschaft für die monatliche Sitzung oder für den 'Hock' benützt. Allerdings hat es im Tor kein Wasser und damit keine Toilette. Die damaligen Vorgesetzten waren der Meinung, das Tor solle so bleiben, wie es vor 600 Jahren gewesen sei.

Auch sonst stellte Max Brühl sein Geschick umzubauen und zu renovieren immer wieder unter Beweis. So hat er beispielsweise sein Geburtshaus, das Haus 'Zem wyssen Rösslin' Spalenvorstadt 37, eine über 700jährige Liegenschaft, seit 1944 innen und aussen zu deren Vorteil verändert. Zuletzt im Jahr 2001, auf das Fest '500 Jahre Basel im Bund der Eidgenossen', wo die Fassade renoviert und das Wahrzeichen des jetzigen Hausnamens in leuchtenden Farben aufgefrischt wurde. (bt.)

Auszug aus der Spale-Zytig Ausgabe 2/ Dezember 2007
 
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Filomena Burckel

D Gmiesfrau am Spalebrunne

Unsere Elsässer Gemüsefrau kommt seit  9 Jahren in die Spalenvorstadt


Wenn die Uhrzeiger am Dienstagnachmittag  auf  die Vier rücken,  wissen die Hausfrauen und Hausmänner der umliegenden Strassen: D Gmiesfrau isch wider doo! Dann machen sie sich mit ihren Einkaufstaschen Richtung Spalen-Brunnen auf den Weg, denn dort hat Filomena Burckel ihren kleinen  Transporter-Pritschenwagen geparkt, auf dessen Ladefläche ein reiches Angebot an Gemüsen und Obst auf  die Kundschaft wartet.  

Frau Burckel kommt einmal pro Woche aus dem Elsass in die Spalenvorstadt, eben am Dienstagnachmittag. Das Wetter spielt dabei keine Rolle. Und Ferienabsenzen sind selten. Sie ist eine verlässliche Gemüsefrau, die Filomena Burckel!      Eigentlich ist die stets aufgestellte junge Frau mit der schwarzen Haarpracht gelernte Coiffeuse, aber die Liebe hat sie nach Village-Neuf zu  einem Mann geführt, dessen Familie mit dem Gemüseanbau  bereits in vierter Generation ihren Lebensunterhalt verdient. Und so ist die ’Spale’ zu ihrer  jetzigen Elsässer Gemüsefrau gekommen, so wie es in Basel seit langer Zeit Tradition ist.

Reiches Angebot Nicht nur für Vegetarier ist es ein
verlockender  Anblick, was  am Nachmittag des Interviews an frischen Gemüsen in den Harassen liegt, obwohl der Frühling dies Jahr ganz schön auf sich hat warten lassen:  Spitzkraut, Spargel, Radieschen, Rhabarber. Daneben vervollständigen  unter anderem Lauch, Zwiebeln und Kartoffeln, Champignons und Eier vom benachbarten Bauern, Äpfel und Birnen das Angebot. Frau Burckel kauft zuweilen auch Gemüse oder Früchte dazu, wenn die Saison sie nicht bietet. Obwohl, so erfahren wir, die Kundschaft mehrheitlich  saisonales Gemüse und Obst bevorzuge. „Unsere Produkte sind übrigens nicht gespritzt“, betont die Gemüsefrau, „und das schätzen meine Kunden, auch wenn es da und dort einen Fleck hat.“

Eine Spezialität: Neudörfler Spargeln Dem Spargel verdankt übrigens der Neudörfler Gemüsebau seit etwa 1880 seinen bekannten guten Ruf. So schätzen  z.B. auch Basler Feinschmecker die Neudörfler Spargeln. In den langen aufgeworfenen Bodenwellen sind die jungen Triebe des Liliengewächses vor dem Licht geschützt und können zu dem zarten weissen Edelgemüse heranwachsen. Der eigentliche Name der Ortschaft ist Neudorf-Grosshüningen, denn Bauern und Fischer dieses Dorfes siedelten sich nach 1680 in der Au an, als sie ihr Dorf in der Nähe der neu erbauten Festung Hünigen verlassen mussten. Doch bald war der abgekürzte Name Neudorf gebräuchlich. Urkundlich ist der Name Village-Neuf d’Huningue schon 1669 nachweisbar.    

Es sei für sie nicht erstaunlich, meint Filomena Burckel, dass manche Kunden  sich nicht darüber im Klaren  seien, wie viel Arbeit es brauche, bis aus den Samen und Setzlingen die Produkte werden, die nun zum Verkauf daliegen, wie viel  vom Frühling weg bis zum Moment, wo die Felder abgeräumt werden, gehackt, gejätet und gewässert werden müsse. Und erst: Wie oft man sich bücken müsse und schleppen, gleichgültig ob die Sonne tagelang vom wolkenlosen Himmel  brenne oder einem die Kälte die Finger klamm mache.

Geschätzte Kundschaft Das Ehepaar Burckel hat zwei Töchter von elf und viereinhalb Jahren. Die ältere hilft der Mutter bereits begeistert beim Bedienen, beim Wägen und Einpacken. „Überhaupt die Kundschaft!“ sagt die Gemüsefrau vergnügt, „Ich fühle mich hier sehr wohl. Es sind alles freundliche Leute, die zu mir kommen. Der Umgangston ist geradezu familiär!“ Ein schönes Beispiel für das Sprichwort: Wie man in den Wald ruft, so tönt’s heraus. (bt  

 

     Auszug aus der SpaleZytig Ausgabe 12/ Juni 2010

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Buddy und Gerti Elias-Wiedner

’Epoque’ – im Spiegel einer Epoche

 

Der Gymeler hatte die kleine Napoleon-Büste im Schaufenster des Ladens bewundert, sein erspartes Taschengeld nachgezählt und sich endlich hinein gewagt. Die elegante ältere Dame, die im Laden zwischen all den schönen Dingen hervortrat, erklärte, das sei nicht Porzellan, das nenne man Bisquit. Aber eigentlich, sagte sie lächelnd, möge sie solche Kriegsherren nicht und gebe den deshalb billiger. Erfreut nahm der Bub seinen Näppi mit heim.

      Jahrzehnte später sitze ich den Eheleuten Gerti und Buddy Elias in ihrem Haus an der Herbstgasse gegenüber und lasse mir schildern, wie Buddys Mutter, Leni Elias, damals ihr Antiquitätengeschäft, das inzwischen verschwundene ’Epoque’ an der Spalenvorstadt 3, betrieben hat.

      Sie war eine erstaunliche Frau: Aufgewachsen als Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie in Frankfurt, kultiviert und ziemlich verwöhnt, sah sie sich in Basel während der dreissiger Jahre und des Krieges genötigt, an der Seite ihres Gatten Erich energisch Hand anzulegen und eine vielköpfige Familie äusserst sparsam durchzubringen.

      Hinzu kam die Angst! Selber in auch nur relativer Sicherheit, hatte sie stets die Schicksale zahlreicher Verwandter  und Freunde vor Augen, besonders quälte sie die Ungewissheit um den Verbleib ihres Bruders Otto in Amsterdam: Ob er mit seiner Familie wohl in einem Versteck überleben konnte?

      Und da begann sie nun anfänglich ohne Erfahrung einen Handel mit Möbeln, Kleidern und Kunstgegenständen aufzuziehen, zuerst in einem Zimmer im Kleinbasel, dann in der Spalenvorstadt beim Brunnen, später im Haus Nr. 3. Sie arbeitete unermüdlich, verlor dabei aber nie ihren Humor und ihre Schlagfertigkeit und stand mit offenem Herzen anderen Emigranten bei. So nahm sie 1945 auch ihren Bruder Otto auf, der das KZ überlebt, jedoch seine Lieben verloren hatte und im Tagebuch seiner Tochter Anne Erinnerung und Trost zu finden hoffte.

      Ihre Söhne Stephan und Bernhard, noch in Frankfurt geboren, wuchsen in Basel heran, besuchten hiesige Schulen und bestanden berufliche Ausbildungen, betätigten sich auch in Sportvereinen. Der quirlige Jüngere, Buddy, wurde als Clown auf Schlittschuhen beliebt und berühmt, tourte durch Länder und Kontinente, sprang dann vom Eis auf die Bühne und wurde zum geschätzten Schauspieler.

      Gerti Wiedner, Kaufmannstochter aus Graz, hatte nach froher Kindheit die bedrückten Jahre nach dem ’Anschluss’’  Oesterreichs durchlebt und ebenfalls den Weg auf die Bühne gefunden. Die Beiden trafen einander beim Auftritt in Ulrich Bechers ’Bockerer’, 1963 in Tübingen, verliebten sich und heirateten. Frau Gerti freut sich noch heute über den herzlichen Empfang durch ihre Schwiegermutter Leni. Nach Jahren in Berlin zogen sie 1986 nach Basel, ihrerseits mit zwei Söhnen.

      Doch auch Gerti sah sich nun buchstäblich hineingeworfen in zwar weniger gefährdete, aber nicht minder ungewöhnliche Verhältnisse. Sie übernahm nach Frau Lenis Tod das „Epoque“ ebenfalls ohne Erfahrung, führte jedoch mit grossem persönlichem Engagement das Geschäft weiter über anderthalb Jahrzehnte. Als es 2001 endgültig geschlossen wurde, geriet sie beim Aufräumen an den alten Schrank auf dem Dachboden in der Herbstgasse, wo in einer stoffbezogenen Schachtel mit Seidenbändern gebündelte Briefe zum Vorschein kamen...

      Sie entdeckte in über einem Dutzend Koffern und Kisten weitere Briefe, Dokumente und Photographien, letztlich Tausende davon, entzifferte, las, ordnete, zog einen Archivar als Helfer bei, dann noch eine Schriftstellerin. So entstand eine einzigartige Chronik der Familien Stern, Frank und Elias und erhellte den Hintergrund des weltweit beachteten Tagebuches der Anne Frank: ’Grüsse und Küsse an alle’ von Mirjam Pressler und Gerti Elias. Darin zeigt sich, dass Anne Frank  ihr Talent aus einer schreibenden Familie beziehen durfte, deren Kultur und Liebe andauert.

      So ist es heute nicht zuletzt auch der Anne-Frank-Fonds, der Gerti und Buddy Elias in Bewegung hält. Soeben kamen sie von Reisen nach Israel und London zurück, Buddy spricht in Schulen in Deutschland und der Schweiz, beide wirken sie mit an Schaffung und Unterstützung von Friedensprojekten: Hilfe für Strassenkinder in Nepal und Unberührbare in Indien, Entwicklung von Lehrmitteln in Peru und ein Projekt, das junge Israeli und Palästinenser zusammenbringt.

      Was sie sich von unserer Stadt und den Baslern wünschen würden? Da zögern sie keinen Moment: Mehr Menschlichkeit und weniger nationale Sturheit. Und fügen sogleich an, dass sie Basel lieben als eine prima Stadt, in der sie stolz und dankbar wohnen dürfen; Buddy lässt auch seinen FCB nicht unerwähnt.

      Zum Abschluss erzählen sie mir noch einmal vom einstigen Antiquitätenladen in der Spalenvorstadt 3: Das ’Epoque’ hatte ein wunderschönes Tafelservice im Schaufenster stehen. Da kam ein junges Pärchen herein, nur mal um dies anzusehen und zu bestaunen, leisten könnten sie sich so etwas ja nicht. Frau Leni führte ein freundliches Gespräch mit den jungen Verliebten, die beide noch studierten. Und anderntags durften sie mit einem Leiterwagen das feine Geschirr abholen. Bezahlt haben sie dann später in kleinen Raten. (rp.)

 

Auszug aus der SpaleZytig Ausgabe 16/ Mai  2011

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Dr. iur. Lukas Faesch

Ein 'Spalemer' mit Leib und Seele

 

Der Zeitpunkt meiner Anfrage wegen eines Termins für dieses Interview war für den vielbeschäftigten Strafgerichtspräsidenten Lukas Faesch nicht optimal, aber er sagte zu, ohne mich auf die Warteschlaufe zu dirigieren. Diese Reaktion ist typisch  für den sympathischen ’aufgestellten’ Mitbürger. Er versteht es, auf die Menschen zuzugehen, ihnen zuzuhören und in klaren Worten Auskunft zu geben.       Aufgewachsen ist Lukas Faesch zusammen mit seinem Zwillingsbruder Remigius, dem Facharzt für innere Medizin, am Spalentorweg  26. Bereits sein Grossvater, der Zahnarzt  Dr. Emanuel Faesch, lebte und arbeitete am Spalentorweg. Im Spalen-Schulhaus, das früher den sinnigen Namen ’zum Jugendfleiss’ trug, ist Lukas Faesch in die ’Brimmeli’ gegangen. Danach führte ihn der Schulweg auf den Münsterhügel ins HG, ins Humanistische Gymnasium (heute Gymnasium Münsterplatz).  Gerne erinnert sich Lukas Faesch an die Zeit, als er in einem der Riegelbauten gegenüber, dort wo das iuristische Seminar sein Domizil hatte, ein- und ausging.

20 Jahre Advokat Nach 4 Jahren bestand er das Lizenziatsexamen, das es ihm ermöglichte, eine Doktorarbeit zu schreiben. Die praktische Seite des gewählten Berufswegs lernte Lukas Faesch zunächst zweieinhalb Jahre lang als Praktikant bei der damaligen SBG (heute UBS) kennen, dort speziell bei Ruedi Meyer, der als Obmann des Fasnachts-Comités  in  weiten Kreisen der Basler Bevölkerung bekannt und beliebt war. Nach dem Anwaltsexamen fand die Ausbildung des jungen Juristen ihre Fortsetzung in der Anwalts- und Notariatspraxis seines Vaters Dr. Jürg Heinz Faesch. Dort im 5. Stock mitten im Herzen von Basel, nämlich im ehemaligen Sandreuter-Haus am ’Määrt’ ( heute Brillengeschäft Fielmann),  war Lukas Faesch fast 20 Jahre  als Advokat tätig.

Die nächste Sprosse auf der Berufsleiter hat Lukas Faesch 2004 mit der Wahl zum Strafgerichtspräsidenten Basel-Stadt erstiegen, also vor nunmehr 7 Jahren. Es war eine Kampfwahl, die zu gewinnen „aus dem Nichts“ Zeugnis ist für seine beruflichen Qualitäten. Welches sind die Aufgaben eines Gerichtspräsidenten? Das Strafgericht besteht aus verschiedenen Abteilungen, die mit der Bearbeitung von unterschiedlichen Strafsachen beschäftigt sind. Jedes Jahr steht ein Wechsel in eine andere Abteilung an.  Die Arbeit besteht aus einer Mischung zwischen der Bearbeitung von Fällen  „diese Arbeit spielt sich  gewissermassen im stillen Kämmerlein ab“ dem sogenannten Instruieren, das heisst dem Ausarbeiten des Ablaufs einer Verhandlung, dem „Drehbuch“ und der meist öffentlichen Hauptverhandlung. 

Bürgerrat und Präsident der CMS Lukas Faesch ist Bürgerrat. Anno 2001 wurde er als Liberaler, als Nachfolger von Christine Wirz-von Planta, in die Exekutive der Bürgergemeinde gewählt, die mit 60'000 Bürgerinnen und Bürgern grösste Gemeinde der Schweiz. Er nimmt diese Aufgabe ausserhalb seines  angestammten Berufes ebenso ernst wie  das Amt als Präsident  der Stiftungskommission der Christoph Merian Stiftung CMS. Das Engagement von Lukas Faesch ist vielseitig. Das zeigt  seine Mitarbeit in diversen Stiftungen und Vereinen: Stiftungsrat ’Stiftung TRINUM (Trinationaler Umweltschutz); Rechtsbeistand des Vereins Tierhilfe Sirius; Sekretär Neues Orchester Basel.

Ist es verwunderlich, dass bei einer solchen Fülle von Aktivitäten nicht viel  Zeit für Hobbies übrig ist?  Um so mehr geniesst Lukas Faesch die Spaziergänge mit seiner charmanten Frau Béatrice und den beiden Hunden, die erholsamen Tage in einem der beiden Ferienhäuser, von denen das eine,  am See gelegen, die Möglichkeit zum Schwimmen bietet, oder die Lektüre  von historischen Biografien.

Gemeinnütziges Engagement Hat Lukas Faesch eine Vision für seine Zukunft? „Ich möchte gerne noch stärker gemeinnützig tätig sein. Wir haben in Basel viele gemeinnützige Institutionen.  Der finanzielle Bedarf dafür ist gross. Es ist personell und finanziell nicht sinnvoll, wenn viele Institutionen praktisch dieselben sozialen Hilfen anbieten.  Die Konzentration und Koordination der sozialen Angebote in Basel  ist mir ein vordringliches Anliegen. Daran möchte ich gerne mitarbeiten.“

Während unseres Gesprächs, das durch eine kurze Handy-Info von seiner Frau unterbrochen wurde, die mit dem Terminplan der Renovation und des Umbaus des Elternhauses am Spalentorweg 26 zu kämpfen hatte, ist die Zeit im Nu verflogen. (bt.)

 

     Auszug aus der SpaleZytig Ausgabe 13/September  2010

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   Hedi Glasstetter-Granert


Zu den Originalen unserer Vorstadt gehört unbestritten 's Hedi'. Sie kennt alle und alle kennen sie. Kein Wunder! Wer 40 Jahre lang eine Drogerie geführt hat, die die Spalemer nicht nur wegen der guten Lage geschätzt haben, sondern auch weil man dort freundlich und sachkundig bedient wurde, dessen Bekanntenkreis wird weit. 

Anno 1926 hatte Vater Granert, Drogist wie Hedis späterer Schwiegervater, im Haus Spalenvorstadt 12 eine Drogerie eröffnet. Es war für Mutter Martha Granert, den 18-jährigen Sohn Willy und die erst 9-jährige Tochter Hedi ein schwerer Schicksalsschlag, als 1950 Wilhelm Granert starb. Nun war es an den Dreien, das Geschäft weiter zu führen. Schon während der Schulzeit hat Hedi die Bestellungen der Kundschaft ausgetragen. Das sei damals noch Usus gewesen. Dadurch sei sie in viele gute und schöne Häuser gekommen und habe auch berühmte Persönlichkeiten kennengelernt. 

Mit einem Schmunzeln erinnert sich Hedi Glasstetter an jene Zeit, als sie noch mit andern Spale-Kindern auf der Strasse hat spielen können. Natürlich war auch Bruder Willy dabei, der ihr im Vesal-Gässli das Rollschuhfahren beibrachte. Einer Anwohnerin hatte das allerdings nicht in den Kram gepasst. Eines Tages schüttete sie einen Eimer heisses Wasser zum Fenster hinaus. Willys Racheaktion wäre das Abbrennen einer Stinkbombe vor dem Haus der Ungehaltenen gewesen. Wäre gewesen, denn die Bombe war zwar 'losgegangen', aber – im Laden! Laden, sagt Hedi, wenn sie von der Drogerie erzählt. 

Als die glücklichsten Schuljahre bezeichnet Hedi Glasstetter die vier Jahre an der KHS. Auch lange nach dieser Zeit, hatte sie am Mittagstisch, zu dem sie jeweils freitags einlud, Kontakt mit einigen ihrer Lehrer. Während dem Besuch der Kantonalen Handelsschule lernte Hedi Granert ihren späteren Mann, den 9 Jahre älteren  Karli  Glasstetter  kennen. Sie  begegnete ihm  an den Ski-Sonntagen auf dem Feldberg, die später in Engelberg stattfanden. Am Silvester 1969 erschien Karli im Laden. Nach einem Einkauf machte er Hedi gegenüber ein grosszügiges Versprechen: „Ich lade dich einmal zu einem Kaffee ein. Noch heute seufzt er gelegentlich: „Das wurde mein teuerster Kaffee! Am 9.9.1970 nämlich heirateten die zwei... 

„Nach der Handeli machte ich eine Lehre in der Drogerie Gloor an der Greifengasse, gleichzeitig wie eine meiner Freundinnen; sie allerdings in der Drogerie Gloor am Claraplatz. Dass sie mit dieser Jugendfreundin – übrigens wie mit vielen anderen Freunden und Freundinnen aus vergangenen Tagen auch – bis heute verkehrt, beweist, dass Hedi Glasstetter eine treue Seele ist! 

Nach dem Abschluss der KHS – übrigens als Jahrgangs-Beste – musste Hedi um eine Lehrstelle kämpfen. Man dachte: Die ist wohl etwas Besseres mit ihrem Handelsdiplom! Während des anschliessenden 9-monatigen Welschland-Aufenthalts hat Hedi in einer
'tollen Klasse' ihre Französisch-Kenntnisse vergrössert. Ein Jahr später legte sie die Meisterprüfung ab und wurde in Neuenburg – notabene als erste Frau! – für 10 Jahre Expertin bei den Meisterprüfungen für Drogisten. (In Basel hatte sie daraufhin 20 Jahre lang diese Expertenaufgabe bei den Lehrabschlussprüfungen inne.)

Nach dem Aufenthalt in Neuenburg kehre Hedi Granert 1967 nach Basel zurück, wo sie ein Jahr später die Drogerie von ihrer Mutter übernahm. Schon bald nach der Heirat wurde sie für 16 Jahre Mitglied des Pfarrei-Rats und der Synode der St. Marienkirche. Heute ist sie zwar noch in der Kommission des Kindertagesheims 'Verenahof' und gegenwärtig in der Pfarrwahl-Kommission engagiert; sonst aber wirkt sie 'nur noch' im Hintergrund. 

Zwei Kinder wurden dem Ehepaar geschenkt, ein Junge und ein Mädchen, Christoph (*1971) und Irene (*1975). Sohn Christoph hat mit seinen eigenen Kindern, Aline und Kai, bereits dafür gesorgt, dass Hedi und Karli Grosseltern wurden.
 

Im 80. Jahr ihres Bestehens hat Hedi Glasstetter die Türe der Drogerie Granert für immer geschlossen. Die Hälfte der Jahre stand sie hinter dem Ladentisch,
'aufgestellt' und immer bemüht, der Kundschaft zu dienen. Vor allem auf zwei Dinge, die sie für den Zusammenhalt des Quartiers und für die Attraktivität unserer Vorstadt hat verwirklichen helfen, ist Hedi heute ein wenig stolz: auf das Gedeihen der am 21. April 1985 gegründeten IG-Spalentor, in der sie zunächst als Beisitzerin, dann als Kassiererin tätig war, und dann auf die Gründung der inzwischen stadtbekannten Weihnachtsbeleuchtung. (bt.) 

Auszug aus der SpaleZytig Ausgabe 7/ März 2009

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Die Musikerin Rosmarie Greder-Kern
  (1913 - 2010)
 
Ich hatte ein sehr bewegtes Leben als Musikerin. Mit meinen Erlebnissen könnte ich Bände füllen! Solches sagt die quirlige Pianistin mit dem Jahrgang 1913, setzt sich an den Flügel und lässt mit unglaublicher Leichtigkeit und, weil die Noten es so verlangen, mit atemberaubendem Tempo Passagen aus Werken von Mozart erklingen. (Ihre Liebe gilt übrigens vor allem den Komponisten der Spätklassik und Frühromantik.) Ob ich nichts merke, fragt sie mich und hält abrupt inne. Man muss wissen, dass mein heutiger Besuch im 1. Stock der Liegenschaft Spalenvorstadt 20, wo Rosmarie Greder-Kern wohnt, mein zweiter ist. Anlässlich meiner ersten Begegnung stellte mir die Vollblutmusikerin Werner Amann vor, einen Klavierbauer aus Leidenschaft, der eben den Flügel für das Klavierrezital gestimmt hatte, das die Greder im Mai 2008 in der Galerie Graf & Schelble gab.


„Er ist neu gestimmt und klingt wunderbar
, sagte ich. „Er ist 'der Zwilling' von dem, den Sie kennen!, erwiderte sie. Darauf allerdings wäre ich nie gekommen. Ich erfuhr, dass der Vorgänger nun von einem Sozialarbeiter gespielt werde, dem sie das Instrument günstig abgegeben habe, weil nach 30 Jahren intensivstem Gebrauch eine Generalrevision nötig geworden wäre. Dem neuen Besitzer aber leiste der Flügel für seine Zwecke gute Dienste. Von Rosmarie Greders sozialer Ader erfuhr ich später. 

A propos Klavierrezital bei Graf & Schelble: Wäre da nicht Freddy Ropélé, der 'Vater' der Konzertreihe 'Musik in der Spalenvorstadt', ich hätte die Pianistin, Organistin, Dirigentin und Chorleiterin kaum kennengelernt. 

Erst 12 Jahre alt, machte sich bei der Tochter der in 6. Generation geführten Confiserie Kern in Laufen die Begeisterung und Begabung fürs Klavierspielen bemerkbar: Sie unterhielt – mitten im Krieg – Soldaten, welche im Städtlein einquartiert waren. Mit 15 Jahren begleitete  sie im  Institut  Sacré-Coeur in  Estavayer-le-Lac  Hunderte von Mädchen beim Gesang. Ein Jahr  später (1947) trat sie die Organistenstelle in der Herz Jesu-Kirche in Laufen an. Sie spielte so gut wie um Gottes Lohn, denn mit dem Gehalt hätte sie nicht leben können. Noch nicht 20jährig, schloss sie in Fribourg das Studium der Kirchenmusik ab. Dann beschäftigte sie sich, ebenfalls in Fribourg, in der Cathédrale St.-Nicolas mit dem Orgel-Studium.

In den Jahren 1950 bis 1955 gründete die umtriebige Musikerin eine ganze Reihe von Chören, die sie auch leitete, so etwa einen Schwestern-Chor, einen Blauring-Chor, einen Alt-Frauen-Chor. In der Zeit zwischen 1952 bis 1957 war sie Stammgast im Konservatorium Basel (heute Fachhochschule für Musik), denn sie studierte dort Klavier, Orgel und Gesang –  natürlich bis zum Diplomabschluss!

Rosmarie Greder-Kern erinnert sich: „Die 2 Franken, die ich von zuhause bekam, legte ich jeweils in einem Vorrat von Brot, Äpfeln und Schokolade an, den ich unter den Studienkolleginnen verteilte, denn diese bekamen – obwohl meist aus begüterten Familien stammend – nicht einmal einen Franken. Sie haben sich für meine bescheidenen milden Gaben bei mir 30 Jahre später revanchiert: Als ich das Orchester Don Bosco gründete, spielten sie unentgeltlich!

Nachdem sie ein ganzes Jahrzehnt (1966-1976) im Orchster des Goetheanums Dornach mitgewirkt hatte – immer wieder auch als Solistin – war Rosmarie Greder-Kern als Musiklehrerin an der Basler Realschule und dann am Gymnasium Bäumlihof tätig. 1981 – sie war inzwischen 50 Jahre alt – trat sie als Kirchenmusikerin, Organistin und Dirigentin in den Dienst der Kirchgemeinde Don Bosco. Es würde zu weit führen, alle musikalischen Aktivitäten für die Gemeinde aufzuzählen. Nur so viel: Ihr ist die Gründung der vielköpfigen Chorgemeinschaft, des Senioren-Chors sowie des ad hoc-Orchesters zu verdanken. Am 13. Juni 1993 dirigierte sie in der Kirche Don Bosco ihr eigenes Abschiedskonzert. Die heute 77-Jährige ist noch voller Vitalität und ihr Kalender ist noch voller Termine für Auftritte. (bt.) 
Auszug aus der SpaleZytig Ausgabe 5/ September 2008
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Peter und Ruth Herzog
Leidenschaftliche Sammler von 300'000 historischen Photodokumenten
 
Peter Herzog arbeitet an einer Geschichte der Photographie, die er praktisch lückenlos aus der eigenen Photosammlung dokumentieren kann. Von 1839 bis heute ergibt dies ein monumentales Werk, auf das wir gespannt sein dürfen. 

Auf Wunsch seines Vaters ergriff Peter Herzog das Studium der Rechte, das ihm ein ’anständiges’ Auskommen garantieren sollte. Bald schon meldeten sich aber Zweifel, dass dies für ihn der richtige Beruf sei. Der Jurist erinnerte sich nämlich immer wieder an den Volksschulunterricht, bei dem viel Wert auf Heimatkunde und Geschichte gelegt worden war.

Auslöser Was den Juristen Herzog Schritt für Schritt zum Kulturgeschichtler, Sammler und Händler werden liess, war die prägende Begegnung mit einer Photo, die er auf dem Zürcher Flohmarkt entdeckte. Eine einfache Aufnahme könnte man meinen: ein paar Frauen neben ihren Spinnrädern in Gespräche vertieft, dazwischen wohl auch einmal ein Lied singend. Peter Herzog war von dieser Photo seltsam berührt. Sie zeigt vordergründig einen alten Brauch. Bei genauerer Be-trachtung indes belebt sich das Bild: Man meint, die Spinnräder zu hören und kann sich die Gespräche vorstellen. Nur ein kleiner Schritt und mit einem Mal ist man einbezogen in die Gemeinschaft und hat damit auch die Botschaft begriffen, die von einer Foto ausgehen kann.

Anerkennung Fortan bildet die Suche nach historischen aussagekräftigen Photographien einen Gross-teil der Tätigkeit von Peter Herzog. Auch seine Frau Ruth, ausgebildete Bibliothekarin, hilft dabei tatkräftig mit, obschon sie sich nicht als Sammlerin versteht.Immerhin hat ihr die Philosophisch-Historische Fakultät der Universität Basel den Ehrendoktor verliehen, u.a. mit der Begründung, dass sie „in  Jahrzehnte  langer konsequenter  und entsagungsreicher Arbeit historische Photographien zu einer Sammlung von Weltrang zusammengetragen“ habe.

Gegenüber all den Formen der materiellen Hinterlassenschaft des Menschen hat für Peter Herzog die Photographie einen weiteren Vorteil: Sie darf für sich eine Allgemeingültigkeit über alle Kontinente hinweg beanspruchen, eine Chance, die es zu nutzen gilt. Die Photosammlungen von Peter Herzog umfassen Zehntausende von Negativen und Abzügen. Der Bogen der Sammlertätigkeit ist weit gespannt. Neben Schwerpunkten, etwa der Dokumentation über die Stadt Rom im 19. und 20. Jahrhundert – sie hat nicht ihresgleichen –  sind altes Handwerk, Feste und Bräuche sowie die Frühzeit der touristischen Propaganda mustergültig aufgearbeitet.

Sammlung Schweiz im Landesmuseum 1994 hat Herzog den Entschluss gefasst, sich von seiner Sammlung Schweiz zu trennen und sie dem Landesmuseum in Zürich zu übergeben. Die Stadt Basel hatte sich nicht entschliessen können, diesen Teil des Lebenswerks eines ihrer Mitbürger zu betreuen. Diese Tatsache  wirft für Peter Herzog die Frage auf, wie gross heute überhaupt das Interesse an alten Photos ist. Die Antwort mag einen ärgern, denn sie ist negativ. Allerdings entspricht sie dem modernen Trend, nur das Neue gelten zu lassen und Vergangenes als unnötigen Ballast zu betrachten. Die Geschichte lehrt aber, dass auf Perioden von Geringschätzung solche folgen, in denen Vorangegangenes wieder Ansehen erlangt.


Sammlertrieb So viele Sammler es gibt, so viele Antworten sind zu hören. Für Peter Herzog ist die Triebfeder seine grenzenlose Neugier. Da man nur sieht, was man kennt, kommt der Erfahrung eine grosse Bedeutung zu. Peter Herzog stuft sie höher ein als enzyklopädisches Hosenbodenwissen. Die Befriedigung seines Sammlertriebs müsste als egoistisch angesehen werden, ginge daneben nicht eine wissenschaftliche Bearbeitung der Dokumentationen einher. Herzog arbeitet an einer Geschichte der Photographie, die er praktisch lückenlos aus der eigenen Fotosammlung dokumentieren kann. Von 1839 bis heute ergibt dies ein monumentales Werk. (hb.)


Auszug aus der Spale-Zytig Ausgabe 10/Dezember 2009

 

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Die Malerin und Zeichnerin Faustina Iselin
 
 
    
                                                                                           Der Baum vor Giglio Castello, 1970, Acryl auf Karton, Privatbesitz

Geboren wurde Faustina Iselin 1915 in Basel als jüngste Tochter des Chirurgen Hans Iselin und der Malerin Gustava Iselin-Haeger. Das Elternhaus stand an der Birmannsgasse, in dem der ältere Bruder Klaus später seine Kinderarztpraxis führte; und im Dachgeschoss des angrenzenden Neubaus wird die Künstlerin ihre Atelierwohnung haben. Riehen wurde für Faustina Iselin zur zweiten Heimat, denn als sie kaum ein Jahr alt war, erwarb Professor Iselin am Hackberg in Riehen ein kleines Haus, in dem seine Kinder vom Frühjahr bis in den Herbst in ländlicher Umgebung aufwachsen konnten.  

Nachdem Faustina Privatunterricht zuhause bekommen hatte, kam sie in die Töchterschule in Basel. Später wurde Riehen wiederum für mehr als ein Jahrzehnt zur Heimat der Künstlerin. Nach dem Tod des Vaters (1953) zog sie mit ihrer Mutter wieder ins Hackberg-Haus, das sie erst nach dem Ableben der Mutter (1964) verliess. – Faustina Iselin hatte das Glück, in einem Milieu aufzuwachsen, in dem Kunst, Musik und geistige Interessen eine grosse Rolle spielten.    

 

Nach ihrem 16. Geburtstag verliess sie das Mädchengymnasium am Kohlenberg und wechselte in die Gewerbeschule, wo sie Vorkurs und Graphikfachklasse absolvierte. Nach dem Abschluss kam sie im September 1935 als knapp 20jährige an die Berliner Hochschule für Bildende Künste. Für Faustina Iselin war dies ein Bekanntwerden mit der Jugendwelt ihrer Mutter, die in Berlin aufgewachsen und sich dort als Meisterschülerin von Max Liebermann zur Malerin ausgebildet hatte. 

 

Die politischen Ereignisse veranlassten Faustina Iselin, im Sommer 1936 nach Basel zurückzukehren. Jetzt arbeitete sie eine Zeit lang als Gebrauchsgraphikerin. Allerdings war dabei Selbstständigkeit und Phantasie wenig gefragt. Ausgleich bot ihr die Mitarbeit an Karl Gotthilf Kachlers Studententheater mit seinen Aufführungen antiker Stücke in Augst.

 

Nach der Rückkehr aus Paris, wo sie als Plakatgestalterin an der Ecole Paul Colin Erfolg hatte, arbeitete sie bei Max Sulzbachner. Zwischen 1945 und 1962 erhielt sie Preise und Aufträge für Bundesfeier- und Pro Juventute-Marken. Eine weitere Ausbildung an der Gewerbeschule bei Arnold Fiechter und Walter Bodmer legte das Fundament zur freischaffenden Künstlerin. Während Basler Kolleginnen sich vom Figürlichen zur Abstraktion wandten, blieb Faustina Iselin der gegenständlichen Bildsprache verbunden. Klar sind ihre Kompositionen, denen Natureindrücke zugrunde liegen – zur Hauptsache Landschaften und Stadtansichten – auch bezüglich Farbgebung. Von ihren vielen Auslandreisen und Arbeitsaufenthalten hat die begabte Zeichnerin stets zahlreiche Skizzen nach Hause gebracht, von denen sie einige in Öl umsetzte.

 

Während der über sechs Jahrzehnte ihres beharrlichen künstlerischen Schaffens hat Faustina Iselin viele Begabungen ausleben können: Sie wirkte beispielsweise seit 1943 beim Basler Marionetten-Theater als Maskenbildnerin und Spielerin und von 1954 an hat sie während 23 Jahren beim 'Larve-Tschudi' Künstlerlarven gemalt. 1986 wurde ihr der Kulturpreis der Gemeinde Riehen für das Jahr 1985 verliehen. Die über 90jährige Künstlerin lebt heute zurückgezogen in ihrer Atelier-Wohnung an der Birmannsgasse. (bt.)

 


Auszug aus der SpaleZytig Ausgabe 9/ September 2009

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Kevin Klapka Holz und Blechblasinstrumenten-Reparateur
 

 

Wohin geht eine künftige Fasnächtlerin, wenn sie ein Piccolo kaufen möchte? Richtig: in die Spalenvorstadt zum ’Oesch’; und wohin geht ein angehender Posaunist, wenn er sein Instrument kaufen möchte? Auch richtig: zum ’Oesch’ in die Spalenvorstadt. Eigentlich gehen beide zum ’Musik Oesch’, aber weil das Geschäft stadtbekannt ist, heisst es halt bloss: Wir gehen zum ’Oesch’. Und was machen die Beiden, wenn an ihrem Holz- beziehungsweise Blechblasinstrument etwas defekt ist? Seit  zwei Jahren gibt es neben den beiden längst etablierten Reparaturwerkstätten im hinteren Teil des Hauses eine dritte.


Vor und nach den Öffnungszeiten kann man einen hoch gewachsenen schlanken Mann durch die Türe des Fachgeschäfts hineingehen beziehungsweise herauskommen sehen – schnellen Schrittes. Rasch war  auch ein Termin für das Interview, das Sie nun lesen, gefunden und der junge Mann mit dem irischen Vornamen und dem ungarischen Familiennamen, Kevin Klapka, empfing mich in ’seinem Reich’ im 1. Stock des Hauses.

Ungeliebte Schuljahre
Entwaffnend war bereits die erste Auskunft des 27jährigen, den ich während seiner vierjährigen virtuosen Solo-Auftritte im ’Charivari’ bewundert hatte: „Nein, ich bin nicht gern zur Schule gegangen. Es war fürchterlich. Ich hatte andere Interessen, solche, die nicht den Lehrstoff betrafen. Heute bedaure ich das Versäumte!“

Charivari’, Fasnacht – ich muss ihn etwas Erfreuliches fragen im Zusammenhang mit der Fasnacht, dachte ich und erfuhr Folgendes: Als 4jähriger hatte Kevin auf den Schultern seines Vaters zum ersten Mal den Morgenstreich erlebt. Später wollte er trommeln lernen. Da sich jedoch der ältere Bruder bereits als Tambour profilierte, bestimmte der Piccolo pfeifende Vater, dass der jüngere Sohn ebenfalls in die Pfeiferstunde gehen solle. Also begann der 8jährige Junge 1992 bei den ’Verschnuuffer’ seine Karriere, die zunächst keine wurde. Er übte nicht gern. Dann wechselte er 1998 zu den ’Naarebaschi’. Gegen Ende seiner Naarebaschi-Zeit  machte ihm grossen Eindruck, was die ’Bajass-Clique’ klanglich und rhythmisch auf dem Piccolo zustande brachte. Dieses Erlebnis bewirkte bei Klapka unversehens die Freude am Üben.

Instrumentenwechsel
Bereits acht Jahre, bevor der Militärdienst fällig wurde, machte Kevin Klapka den Schritt vom Basler Piccolo zur Flöte. Heute gehört Klapka einer Sonderformation des  Armeespiels an.


Der Musiker Michael Robertson (Flötist) führte ihn – wie sich zeigte erfolgreich – ins professionelle Musizieren ein. Nach und nach war  bei Kevin Klapka auch das Interesse am Musik-Hören wach geworden (Mahler-Zyklus, Miles Davis).


Wie kam Kevin Klapka zu seinem aussergewöhnlichen Beruf als Holz- und Blechblasinstrumenten-Reparateur? Es gibt nur wenige Ausbildungsstätten dafür in der Schweiz. „Ich versuchte hartnäckig, eine Lehrstelle bei Erwin und Dieter Oesch zu erhalten. Ich war sehr froh, dass sie sich dann bereit erklärten, mich in den Jahren 2000 bis 2003 praktisch auszubilden. Es wurde übrigens eine Schwerarbeit. Ich war naiv. Mein handwerklicher Rucksack war nur bescheiden gefüllt.  Gleichzeitig mit der Ausbildung bei ’Musik Oesch’ musste ich den berufsbegleitenden Kurs in der Abteilung Instrumentenbau der Berufsschule Ludwigsburg besuchen, weil an den Gewerbeschulen in der Schweiz kein entsprechender Kurs angeboten wurde. Danach ging ich zur Weiterbildung nach Boston, wo die besten Flötenbauer anzutreffen sind. Ich hatte  das Glück, Kanichi Nagahara kennen zu lernen, den wohl begabtesten unter ihnen.


Überraschendes Angebot
Als ein halbes Jahr meines Bostoner Aufenthalts vorbei war, rief mich Erwin Oesch an und fragte, ob ich zurück käme. Ich kam! Drei Jahre später erhielt ich von Nagahara das Angebot, die Vertretung in der Schweiz für seine Instrumente zu übernehmen. Das war für mich natürlich eine grosse Ehre.“

Kevin Klapka liebt die ’Spale’ nicht nur, weil sein Arbeitsort hier ist, sondern „wegen der Häuser mit der langen Vergangenheit“ und wegen der Ambiance, die diese ausstrahlen. (bt.)

 

 

Auszug aus der SpaleZytig Ausgabe 15/ März 2011

 
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Pierre Kocher  Zeichenlehrer, Künstler und Laternenmaler
 

Viele hat er kennengelernt und viele haben ihn kennengelernt. Die Rede ist von Pierre Kocher. Zwei Jahrzehnte lang hat er an der Freien Evangelischen Schule FES (heute: Freies Gymnasium Basel)  und an anderen Schulen  (Münchenstein und Liestal) die Schülerschaft im Zeichnen, in Kunstgeschichte und im Turnen unterrichtet.               

„Schon als Knirps hat mich das Zeichnen fasziniert. Was mich beschäftigt hat, musste ich mit dem Stift festhalten. Und das ist bis heute so geblieben. Darum bin ich auch keine ’Abstrakter’ geworden, obwohl man von denen viel lernen kann. Der Impuls für meine Bilder ist immer ein optisches Erlebnis, das ich in einer Zeichnung festhalte.“ Das sagt der heute 80-Jährige.


Die ersten Basler Zeichnungen
Der Jubilar erinnert sich: „Die  ersten Zeichnungen von Basel habe ich 1940 gemacht. Es war Krieg. Ich war damals Schüler im Realgymnasium. Aus dem Fenster des Klassenzimmers sah ich auf die improvisierten Befestigungsanlagen. Ich zeichnete sie arglos und dies trug mir eine Verwarnung ein, denn militärische Einrichtungen zu dokumentieren, war verboten.“ – Pierre Kocher war aus Bern gekommen, wo er bis zum 11. Altersjahr bei den Grosseltern aufwuchs. Die Eltern waren übrigens parteipolitisch tätig: Der Vater, Architekt,  war in Biel ein engagierter Sozialdemokrat und die Mutter, Sekretärin, war anfänglich eine überzeugte Kommunistin, wechselte dann aber auch ins Lager der Sozialdemokraten. Ihre Voten im Basler Grossen Rat trug sie übrigens in bestem Berndeutsch vor.

Als die Grossmutter einen Schlaganfall erlitt, kam der 11jährige Pierre „über Nacht“ ins Basler Bürgerliche Waisenhaus. „Das wurde eine stressige Jugend. Ich war der einzige, der ins ’Gimmeli’ ging. Neben dem Lateinwörter-Büffeln musste ich nämlich auch die Arbeiten in Küche und Keller verrichten. Als ich 16 wurde, kam ich in die Evangelische Lehranstalt Schiers, wo auch Alberto Giacometti war und, zwei Klassen über mir, Emil Wartmann, der nachmalig legendäre Pächter des Bahnhof-Buffets SBB.
 

Nach der Matur erwarb Pierre Kocher das Primarlehrer-Diplom. Dann schlug er den Weg zum Zeichenlehrer ein. An der Basler Gewerbeschule genoss er den Unterricht bei einer berühmt gewordenen Lehrergeneration: Walter Bodmer, Theo Eble und Lenz Klotz, der eben als Nachfolger von Ernst Buchner  ins Lehramt gewählt worden war. Das Wissen in Kunstgeschichte vermehrte der junge Kocher in den Vorlesungen bei Georg Schmidt, dem späteren Direktor des Kunstmuseums. Damals belegte er auch einen Radierkurs bei Gustav Stettler.

Schüler Moritz Leuenberger
Vergnügt erzählt Pierre Kocher, dass auch Moritz Leuenberger, der heutige Bundesrat, sein Schüler gewesen sei und wie dieser eine Zeichen-Aufgabe  ihn überraschend gelöst habe: Die Klasse habe zur Zeit der Mustermesse die auf dem Bahnhofplatz aufgehängten Fahnen mit den Kantonswappen zeichnen sollen. Leuenberger habe ihm das Blatt abgegeben, auf dem lediglich die Namen  der Kantone aufgeschrieben, nicht aber deren Wappen gezeichnet gewesen seien. Es habe ihn ganz besonders gefreut, dass er anlässlich einer Klassenzusammenkunft, zu der er eingeladen worden sei, dem Herrn Bundesrat die ’Strafaufgabe’  von damals habe zurückgeben können.

Vielseitiges grosses Werk
Lang ist die Liste mit den Angaben über die Einzelausstellungen beziehungsweise über die Teilnahme an Gruppenausstellungen, in denen Pierre Kochers Arbeiten zu sehen waren. 1952 nahm  er das erste Mal an der Weihnachtsausstellung der Basler Künstler in der Kunsthalle teil. Regelmässig war er in den Galerien  ’Perrig’ und ’Altstadthimmel’ zu Gast. Von seinen Bildern haben der Kunstkredit Basel-Stadt und der Kunstkredit Baselland angekauft. Glasmalereien von Pierre Kocher besitzen unter anderen die Gemeinde Reinach zum Thema Ortsbilder und die Gesellschaft der Feuerschützen Basel. Als echter Basler Künstler hat er auch Fasnachtslaternen gemalt, 20 Jahre lang für die Seibi-Clique und 12 Jahre für die Basler Rolli, aber auch die Basler Zyschtigs-Gsellschaft schätzt seine ’Lampen’.
    
Seit vielen Jahren hat Pierre Kocher sein Atelier im Spalenquartier, in der Liegenschaft Ecke Petersplatz/Vesalgasse. Das Redaktionsteam der SpaleZytig gratuliert  dem ’Spalemer’ herzlich zum 80. Wiegenfest. (bt.)

 

 

Auszug aus der SpaleZytig Ausgabe 11/ März 2010

 
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Roger A. Magne – Larvenkünstler, Laternenmaler, Illustrator

Am Haus Birmannsgasse Nr. 5 ist neben der Eingangs-tür ein Anschlag platziert mit der Information: Larven-manufactur Esther Magne / Atelier Roger Magne / Studio für Illustration / ältester Basler Künstlerlarven-Familienbetrieb seit 1925. Dieser Anschlag macht neugierig. Bereits im Hausgang hängen an den Wänden bemalte Larven, die mit ihren Grimassen den Ankömmling ins Auge fassen. Darunter hängen kleinformatige Bilderrahmen mit kolorierten Originalen oder Drucken, Basler Sujets, welche nicht nur Roger Magnes Illustrations-Stil – unverkennbar in Zeichnung und Farbe – dokumentieren, sondern auch seine Liebe zum historischen Stadtbild. In der vorderen der beiden Stuben, die im Erdgeschoss gelegen sind, macht sich Esther Magne, des Künstlers treue  Lebensgefährtin,  zu schaffen. Sie packt Arbeiten ihres Mannes aus, die eben in einer seiner zahlreichen Ausstellungen zu sehen waren. Wir setzen uns zum Interview. Die Foto dazu hatte ich bei meinem ersten Besuch, kurz vor der Fasnacht, gemacht, als die eine der beiden Laternen, die dieses Jahr ihr farbiges Gewand im Atelier Magne bekommen hatte, noch in Arbeit war.

Roger Magne ist nicht einfach so Larvenkünstler geworden. Sein Vater, der zu seiner Zeit berühmte Alphonse 'Fuffi' Magne, war schliesslich bei der Erfindung der Basler Künstlerlarve mit dabei, zusammen übrigens mit Adolf 'Dölf' Tschudin hatte er an der Weissen Gasse ein Atelier gehabt, doch davon später. Man erinnert sich: 1925 hatte der 1919 gegründete Kunstkredit einen Wettbewerb für Larvenentwürfe ausgeschrieben, in der Absicht, die Bildhauer unter den Basler Künstlern zu animieren, originellere Larven zu kreieren als die im Ausland massenhaft produzierten 20 Centimes-Modelle, die meist aus geleimter Leinwand oder aus Wachstuch gefertigt waren. Als bestes Material stellte sich dann das aus Holzzellulose gewonnene Bodenabdeckpapier der Flachmaler heraus.

Um 1925 trennten sich die Wege der beiden Pioniere in Sachen Basler Larvenbau in Frieden. Adolf Tschudin, der als Inhaber eines kleinen Fabrikationsbetriebs auch  Spielwaren, Stoffe, Fahnen, Perücken herstellte,konnte  zur Gestaltung der Modelle und zur Bemalung der  Larven  Basler  Künstlerinnen  und  Künstler verpflichten. „Er war der Lieferant für Nobles. Fuffi Magne  hingegen  entschloss sich, zur 'Massen-herstellung' von Larven für Cliquen. Auch er arbeitete mit Künstlern zusammen, beispielsweise mit dem Bildhauer Willi Hege oder dem Maler Heinz Fiorese. So kam es, dass das Atelier Magne in den 30er-Jahren die Adresse für Larven für Cliquenzüge war. Übrigens: das 'Güpfi', eine kaschierte Kopfschale, die das Tragen der Larve bis heute angenehmer macht, war 1934 eine Erfindung  von 'Fuffi' Magne.  Nach dem  Tod  des Vaters (1965) führte der Sohn Roger Magne das Atelier weiter, zusammen mit seiner Frau Esther.

S
chon während des Besuchs der Gewerbeschule (1950-1955) hat Roger Magne im Atelier seines Vaters Larven gemacht; ab 1947 für Gruppen, dann für Stammcliquen. Vor der Fasnacht ist das Haus jeweils ein einziges Atelier. Im Keller wird kaschiert – es riecht nach feuchtem Packpapier und Leim – Perücken werden genäht und Aufbauten montiert. Bis heute hat Roger Magne 157 Laternen gemalt und gegen 3'000 Kopfladäärnli. Dass Roger Magne aber auch ein vielseitiger Illustrator ist, ist stadtbekannt.

 

Cliquen, Vereine, Privatpersonen kommen zu ihm, wenn es darum geht, an einer Ehrung eine Urkunde zu überreichen, Geburtstagskarten zu verschicken oder bemalte Gegenstände (Flaschen, Ziegel usw.) zum Geschenk zu machen, auch prominenten Persönlichkeiten!

Stadtbekannt ist ebenfalls, dass Roger Magne ein Mann ist, der manche ehrenamtliche Aufgabe übernimmt.  So  ist er  beispielsweise  Ehrenpräsident  des Jugendfestvereins Steinen-Bachletten-Neubad. Er ist Obmann der Ehre-Santihanslemer, ferner ist er, zusammen mit seiner Frau, Gründer der Källerwäntele-Zunft und inzwischen deren Ehren-Zunftmeister. Im Spiel der Himmelzunft wirkt er als Tambour mit und im 'Club zur Alten Klappe' war der Altmeister lange Zeit 'Meister vom Stuhl'.


Auszug aus der SpaleZytig Ausgabe 8/ Juni 2009

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Freddy Ropélé - Der Mann mit der Jazz-Gitarre
 
Seit 38 Jahren ist er mit der "Spale", mit dieser lebendigen Wohn- und Einkaufsstrasse eng verbunden. Man kennt ihn, den Freddy Ropélé. Und nicht nur in der Vorstadt, wo er bis vor vier Jahren ein Geschäft besass, zuerst (seit 1967) ein Rahmenatelier, weshalb der Laden mit dem intimen Cachet "Zum goldige Rahme" hiess. Aber das war nicht das Besondere an diesem Geschäft. Einzigartig war, ein paar Jahre später, das riesige Angebot – über 10'000 Sujets – an Kunstkarten, mit dem er sich bald bei der kunstsinnigen Kundschaft einen Namen als Spezialist in dieser Branche gemacht hatte. Freddy Ropélé kam kaum in Verlegenheit, wenn ein Schulmeister – Lehrer, die für den Kunstunterricht Anschauungsmaterial benötigten, bildeten auch einen Teil seiner Kundschaft – seine Wünsche vorbrachte. Reproduktionen von Werken aus der Welt der Kunst im Postkartenformat waren aber nur ein Segment des exklusiven Sortiments. Das andere bot eine Auswahl an stilistisch und drucktechnisch qualitätvollen Karten, auch etwa zum besonderen Ereignis. „Es waren Menschen, die noch Vergnügen daran hatten, eine Karte zu schreiben!

Heute ist Freddy Ropélé in der "Spale" und weit darüber hinaus als Jazz-Gitarrist bekannt. Er ist unter anderem der Partner in dem 2005 von Urs Hubschmid gegründeten Duo "Les Copains du Jazz". Von Dixieland über Swing bis Bossa Nova reicht die musikalische Palette. Der Musiker aus Leidenschaft spielt in verschiedenen Formationen. Übrigens: Der Zyklus "Musik in der Spale" ist ihm zu verdanken. Am ersten Konzert im Mai 2004 ist er zwar nicht aufgetreten – Jana Svezena gab ein brillantes Klavierkonzert in der Galerie Graf & Schelble – und auch das begeisternde Klavier-Recital von Rosemarie Greder-Kern, das am selben Ort stattfand, ging ohne seine musikalische Mitwirkung über die Bühne. An anderen Veranstaltungen von "Musik in der Spale" aber ist Freddy Ropélé mit grossem Engagement im Einsatz.

Seine Verbundenheit mit der Spalenvorstadt und seine Hilfsbereitschaft zeigt  bzw. zeigte sich beispielsweise, wenn er am Tag der offenen Stadttore ("D Spale laadet yy") oder am "Bürgerzmoorge" der IG-Spalentor oder an den "Gschwellti, Kääs und Jazz"-Abenden in der Suppenstube "zur Krähe" zum Freundschaftspreis spielt. Interesse an der Arbeit der IG-Spalenvorstadt dokumentiert der Partikular Ropélé durch seine Mitarbeit an den Sitzungen und das Übernehmen von grösseren und kleineren Aufgaben.

Auf die Frage, ob sich in den langen Jahren, während denen er in der "Spale" verkehrt, die Vorstadt, was ihre Bewohner betrifft, verändert habe, meldet Ropélé spontan, dass es vor allem keine "Originale vom alten Schlag" mehr gebe, und zählt mit Leichtigkeit ein Dutzend Namen auf: den alten Bösiger, den Vater von Susi Blum-Bösiger, dann den Coiffeur Hirt, den Antiquar Roth, Fachmann für kolorierte Stiche, den alten Spenglermeister Jost, die beiden Damen des "Zauberlädeli", das sich früher in jenem Haus befand, wo heute die Familie Oesch wirkt, dann Humbel senior mit Fliege, den Schuhmacher Braschler, der seine Werkstatt im Haus eingerichtet hatte, wo heute das "Spaleschärli" einquartiert ist, den Vater Flach im Arbeitsschurz, das Fräulein Heller, das sich mit Fusspflege befasste, den kunsthandwerklich begabten alten Blöchle und last but not least, den Spenglermeister Brühl, den Vater von Max Brühl, dem Doyen in der "Spale" und.. und.. und...

 

Neben seinen zahlreichen Auftritten als gefragter Musiker ist Freddy Ropélé auch von seinen beiden im Zürcher Oberland lebenden Enkeln gefragt. All dies hält ihn in Schwung und bei stets guter Laune, den ideenreichen Organisator von musikalischen Ereignissen in der "Spale". (bt.)

 

Auszug aus der Spale-Zytig Ausgabe 3/ März 2008

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Paul Rothen - Gründer der 'Rothen Medizinische Laboratorien'
 
Kemme Si, mer geen zeerscht in d Bibliothek, sagt Paul Rothen in bestem Baseldeutsch, als er mich durchs Treppenhaus der Liegenschaft Spalenvorstadt 37 hinauf in die oberste Wohnung führt. Begleitet werden wir von seiner Frau Rita. Sie begleitet ihren Mann seit 1959. Die beiden hatten einander – wie könnte es in Basel anders sein! – an der Fasnacht, am Kehrausball kennengelernt.  

Die Privatbibliothek befindet sich im hinteren der beiden um Stufenhöhe gegen einander versetzten Häuser. Dort wo Paul Rothen das erste Medizinische Labor eingerichtet hatte. In zwei Zimmern steht jenes Wissen in Regalen, das ihm in seinem Beruf dienlich war und das er heute noch konsultiert. Übrigens haben Paul und Rita Rothen 40 Jahre lang die abbruchreife Liegenschaft, welche Ritas Urgrossvater 1864 erworben hatte, restauriert und Schritt für Schritt den Bedürfnissen entsprechend gestaltet.
 

„I wird als wiider gfrogt: Was sinn Si aigedtlig vo Brueff? Die Auskunft ist einfach. Alles, was er wisse und könne, habe er sich als Selfmademan angeeignet.Der Berufsberater schickte Paul Rothen zunächst in die Buchbinderei Heierle als Ausläufer und später in die 'Pharmazeutische Anstalt' im Totengässlein. 5 Jahre lang blieb der lernbegierige junge Mann dort und mehrte seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Pflanzenkunde. Bei Thaddäus Reichstein, dem 1933 auf dem Gebiet der Mikrochemie die erste Vitamin-C-Synthese gelungen war und dem der Nobelpreis für die Cortisol-Synthese zugesprochen worden war, lernte Paul Rothen die anorganische und organische Analytik. Später ist Paul Rothen auf Empfehlung Reichsteins am Pasteur-Institut in Paris tätig gewesen. 

Dann gings 1946 nach Zürich, wo Rothen ein Laboratorium eröffnen wollte. Zunächst arbeitete er im dortigen Zentrallabor. Damals brachte er sein Schulwissen, das er vom Besuch der Grundschulen aus Basel mitgebracht hatte, auf Mittelschulniveau, neben der täglichen Arbeit in Abendkursen. 

Es würde den hier zur Verfügung stehenden Textumfang bei weitem sprengen, wenn wir Rothens umfassenden  Tätigkeiten  in einer  lückenlosen Schilderung gerecht  werden  wollten. Wir  konzentrieren uns  also auf einige, wie uns scheint, wesentliche Beispiele. 

Paul Rothen hat ohne Geld den Grundstein zu seinem nachmals weit herum berühmten Labor gelegt: Durch einen Zufall wurde er mit einer amerikanischen Firma in New York bekannt, für die er acht Jahre lang den ersten Apparat, der selbstständig Analysen ausführen konnte, verkauft hat, mit dem 40 Zuckerbestimmungen  pro Stunde möglich wurden.  In Zürich waren zu-vor für einen solchen Bestimmungsumfang zwei Personen nötig, die gemeinsam einen halben Tag dafür an der Arbeit waren. Rothens Labor hat als erstes Privatlabor in Basel dann diesen Apparat eingesetzt. Eine andere Firma, für die Paul Rothen tätig wurde, war die Ciba, und zwar ging es darum, dass er Pestizidanalysen machen konnte, für die damals kein entsprechend ausgebildeter Chemiker zur Verfügung stand. 

Paul Rothen war lebenslang ein
'Schaffer'. Als er allerdings Herzprobleme bekam, konzentrierte er sich ausschliesslich auf sein Labor. Weil indessen, was die Auftragslage anging, dies allein zu betreiben, eine unsichere Sache war, kaufte Paul Rothen in Affoltern für biochemische Forschungen einen Bauernhof. Nach 7 Jahren verkaufte er das Gut wieder und erwarb im Jura Trocken- und Nassland für den Anbau von Pflanzen, erkannte aber, dass für den Aufbau einer Phytotherapie die zur Verfügung stehende Zeit nicht ausreichte. Deshalb verkaufte er das Land vor wenigen Jahren.

Rita und Paul Rothen-Gattaneo sind die Eltern einer Tochter und von zwei Söhnen. Die Tochter Madeleine ist Medizinerin, der Sohn Claude studierte Chemie und in einem zweiten Studium ebenfalls Medizin, der Sohn Jean-Pierre studierte Pharmazie und Immunologie in Zürich. Die beiden Söhne führen heute die 'Rothen Medizinische Laboratorien' in engster Nachbarschaft zum Spalentor, die hervorgegangen sind aus dem zu eng gewordenen ersten Labor am Spalengraben 9. 1986 gründete Paul Rothen eine zweite Firma, die Nutrimed AG, die pharmazeutische und diätetische Produkte verkauft. 

Ausser seinem hellwachen munteren Erzählen war mir während unseres Gesprächs ein Satz aufgefallen, mit dem Paul Rothen jeweils den Abschluss einer neuen Ausbildungsphase charakterisierte: „I haa deert vyyl gleert! Zum Ausdruck kam auch eine Dankbarkeit gegenüber der Stadt Basel, weil die damalige Regierung ihm, der keine offizielle Ausbildung mit Diplomen nachweisen konnte, die Bewilligung erteilte, ein Medizinisches Laboratorium zu führen. (bt.) 


Auszug aus der SpaleZytig Ausgabe 4/ Juni 200
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Beat Trachsler - Ein Leben für Menschen, Kunst und Kultur

 

Es brauchte einige Überzeugungsarbeit, bis sich mein Interview-partner bereit erklärte, über sich und seine Tätigkeiten zu sprechen. Meine Hartnäckigkeit zahlte sich aus: Als wir auseinander gingen, wusste ich Einiges mehr über diesen Mann, den man kennt, über den man aber nur wenig weiss, zu wenig, wie ich meine.

Herr Trachsler, wo fangen wir an? –
Ich denke, am Anfang! Geboren bin ich vor 70 Jahren in Basel, im Frauenspital, dort wo jetzt der imposante Bau des UKBB seiner Vollendung entgegensieht. Es ist ein topmoderner und hoffentlich für den anspruchsvollen Betrieb tauglicher Bau. Warum ich das sage?

Denkmalschutzexperte Seit meinen Jugendjahren haben mich das Erscheinungsbild der Stadt und die Veränderungen daran, die sie heute in immer rascherer Folge erlebt, fasziniert. Das ist auch der Grund, weshalb ich ja gesagt hatte, als ich 1980 vom Vorsteher des Baudepartements angefragt wurde, ob ich als Denkmalschutz-Experte in der Baurekurskommission mitarbeiten würde. Ich sagte zu und war über 17 Jahre lang im Amt. Weil ich mich für eine  einzigartige, lebenswerte Stadt engagiere, trat ich 1990 dem Sperber-Kollegium bei und wurde von diesem 9 Jahre später zum Ober-Sperber gewählt. Für dieses Amt fand ich vor zwei Jahren in der Person von Professor Peter Blome einen begeisternden Nachfolger.

Überhaupt: dieses Angefragt-Werden! Es hat sich wie ein Roter Faden durch mein Leben gezogen. Assistent an der Uni und Zeitungsberichterstatter Den Auftakt machte die damals  ehrenvolle Anfrage meines späteren Doktorvaters, ob ich mir vorstellen könne, als Assistent am Kunsthistorischen Seminar zu wirken. Ich konnte es mir vorstellen. Etwas später erreichte mich die Anfrage aus der Lokalredaktion der verblichenen National-Zeitung, ob ich Lust hätte, über die Vorträge der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft zu berichten, und auch über Sonstiges. Nach einem geglückten Versuch hatte ich Lust, während mehrerer Jahre.

Schulmeister und Dozent
Wer Germanistik studiert, wird wohl in der Lage sein, ein paar Deutschstunden zu geben! Der Rektor der Neuen Sprach- und Handelsschule NSH kam, fragte –und – siegte. Auch mein Einstieg als Dozent für Kunst- und Kulturgeschichte an der Schule für Gestaltung im Jahr 1979 geschah aufgrund der Anfrage eines Studienkollegen.

Verlagsleiter und Buchautor Es war im Frühjahr 1973. In der Zwischenzeit  hatte ich vom Eidgenössischen Nationalfonds den Auftrag erhalten, Leben und Werk des einzigen Basler Zeichners im 18. Jahrhundert, Emanuel Büchel, zu erforschen. Ich weiss das noch so genau, weil vor Weihnachten jenes Jahres mein erstes Buch bei den damaligen ’Guten Schriften’, dem ältesten Basler Kleinverlag,  herauskam, übrigens als Zwischenbericht zu meinen Büchel-Nachforschungen. Was war das Resultat? Der Verlagsleiter hatte aus dem Ausland eine Berufung zum Professor  erhalten. Man ersuchte mich, dessen Nachfolger zu werden. Ich willigte ein und aus der einen Publikation sind in über 30 Jahren deren viele geworden.  Der veraltete Verlagsname wurde in GS-Verlag Basel geändert und neben der neugeschaffenen Basiliensia-Reihe später eine literarische Reihe eingerichtet. Da es sich bei meinen eigenen Publikationen um Text-, Bild- und Fotobände handelte, musste ich tagsüber recherchieren und nachts, wenn die Arbeiten meiner vielen Lernenden beurteilt und die Lektionen vorbereitet waren, das Gefundene sortieren und in Worte fassen.

Passion fürs Baseldeutsch Meine verlegerische Arbeit führte mich auch zu den ’Allemannischen Gedichten’ von Johann Peter Hebel und zur intensiven Beschäftigung mit unserem Stadtdialekt.  In diesem Zusammenhang erwarteten mich einige Aufgaben, die ich mit Vergnügen anging und noch immer angehe: als Verfasser eigener Texte, als Lehrer für Baseldeutsch, als Stiftungsrat in der Basler Hebelstiftung, als Baseldeutsch-Berater der ’Baseldytsche Bihni’ und  seit zwei Jahren als Mitglied im Vorstand der IG Dialekt.

Präsident der BKG Mit Freude übernahm ich 1993 für rund zehn Jahre das Präsidentenamt der Basler Künstlergesellschaft BKG, weil ich dort Einblicke gewann in die Aktivitäten unsere Künstlerschaft. Und ebenso erfreuten mich die Auszeichnungen, die ich 1991 (Träger der Johann Peter Hebel-Gedenkplakette, verliehen durch die Gemeinde Hausen im Wiesental), 1992 (Nitoba-Auszeichnung für kulturelle Verdienste) und 2001 (Hebeldank beim ’Schatzkästlein’ von der Hebel-Kommission Lörrach) entgegennehmen durfte.

Und mir, lieber Beat Trachsler, hat es Freude gemacht, mehr über Sie zu erfahren. (bu)


Auszug aus der SpaleZytig Ausgabe 14/ Dezember 2010
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